Wenige Tage nach Antritt der Regierung gibt es erste Kritik: Apothekerkammer-Präsidentin Ulrike Mursch-Edlmayr vermisst „Mut zur Veränderung“ im Gesundheitssystem.
Es könnten innerhalb der bestehenden Gesetzeslage und budgetären Mittel „sofort wirksame Verbesserungen“ erzielt werden, sagte Apothekerkammer-Präsidentin Ulrike Mursch-Edlmayr am Sonntag beim Apothekerkongress in Schladming. Die Politik oder die Sozialversicherung müssten das „in die Hand nehmen“. Im Regierungsprogramm würden Themenbereiche skizziert, aber wenig bis keine Maßnahmen dazu, auch nicht zum geplanten Ausbau der Gesundheitskompetenz, so Mursch-Edlmayr. Handlungsbedarf bestehe bei Prävention, Telemedizin und der Patientensteuerung. „Wir fordern ein bundesweites Präventionskonto für jede Österreicherin und jeden Österreicher“, sagte Mursch-Edlmayr am Rande der Tagung. Jede:r bekomme darin Vorsorgetests oder Impfungen zur Verfügung gestellt oder auch Risikopersonen für bestimmte Krankheiten speziell auf sie zugeschnittene Vorsorgeuntersuchungen. Das könne in der e-Card aufscheinen und so könne man daran erinnert werden.
Im Regierungsprogramm von ÖVP, SPÖ und NEOS stehe, das telemedizinische Angebot soll ausgebaut werden, aber keine konkrete Maßnahme dazu, kritisierte die Apothekerkammer-Präsidentin. Sie forderte die Einführung einer telemedizinischen Kassenordination vorerst zumindest in Randzeiten von Freitagnachmittag bis Samstagmittag. Wenn in einer Apotheke festgestellt werde, ein Patient benötige medizinische Versorgung und der Arzt ordiniert nicht, dann soll sich jemand direkt in der Apotheke mit einem telemedizinischen Arzt oder einer Ärztin verbinden. Zur Unterstützung könne die Apotheken bei Bedarf Labordaten aus modernen Analysegeräten übermitteln. Der Arzt erstelle eine Diagnose, stelle ein e-Rezept aus und jemand könne nach rund einer Viertelstunde mit einem passenden Medikament aus der Apotheke nach Hause gehen, statt eventuell zunächst ein Spital aufzusuchen. „Das ist eine sehr effiziente und elegante Patientenstromlenkung“, sagte Mursch-Edlmayr. (red/APA)