Bekenntnis zu Gender-Medizin

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Claudia Neumayer-Stickler, Vorsitzende des Dachverbands der Sozialversicherungen, plädiert anlässlich des Weltfrauentages dafür, Frauen medizinisch sichtbarer zu machen.

Anlässlich des Weltfrauentags schaffte die Vorsitzende des Dachverbands der Sozialversicherungsträger Bewusstsein für Frauengesundheit und die Relevanz geschlechtergerechter Therapie und Gesundheitsversorgung: „Ein wichtiger Aspekt des Weltfrauentages ist auch das Thema Frauengesundheit und frauenspezifische Medizin und Gesundheitsversorgung. Denn es ist wissenschaftlich belegt, dass Medikamente bei Frauen anders wirken als bei Männern. Auch haben Frauen bei Erkrankungen oft andere Symptome als Männer. Insofern benötigen sie andere, angepasste Behandlungen als Männer. Aufgabe eines geschlechtergerechten Gesundheitssystems ist es, auf diese Unterschiede einzugehen und sie maßnahmenpolitisch zu begleiten“, betonte Neumayer-Stickler.

Die Lebenserwartung von Frauen ist in Österreich im Durchschnitt zwar höher als die Lebenserwartung von Männern, dafür verbringen sie auch mehr Jahre in mittelmäßiger bis schlechter Gesundheit (Frauen: 19,3 Jahre, Männer: 16,2 Jahre). Zudem erkranken Frauen anders als Männer und Symptome sind unterschiedlich ausgeprägt. Gründe für diese geschlechterspezifischen Unterschiede hinsichtlich des Erkrankungsgeschehens sind medizinisch leicht erklärbar: Frauenkörper funktionieren organisch anders als Männerkörper. So ist zum Beispiel belegt, dass das Herz von Frauen schneller schlägt und ihre Verdauung anders funktioniert als die von Männern. Der wohl banalste Unterschied: Frauen menstruieren, wodurch sie zudem monatlich mit anderen körperlichen Gegebenheiten konfrontiert sind als Männer.

Basierend auf diesen medizinischen Fakten setzt sich der Dachverband der Sozialversicherungsträger (DVSV) für frauenspezifische Präventionsmaßnahmen und Behandlungsmethoden ein. So ist unter anderem die Unterstützung von Frauen in besonderen Lebenssituationen, zum Beispiel während der Schwangerschaft, ein wesentlicher Bestandteil des Angebots der Sozialversicherung. „Eines ist für uns selbstverständlich: wir wollen die Besonderheiten des weiblichen Körpers sichtbar machen und sicherstellen, dass sich Frauen gesehen und medizinisch gut versorgt fühlen. Daher stellen wir als Dachverband der Sozialversicherungsträger verschiedene Maßnahmen zur Verfügung, die speziell auf Frauen und ihre Gesundheitsversorgung ausgelegt sind“, so Neumayer-Stickler weiter.

Wichtige Beispiele für frauenspezifische Gesundheitsleistungen sind Hebammenleistungen, die von der Sozialversicherung finanziert und erst 2023 modernisiert wurden, ebenso wie sämtliche Leistungen, die im Rahmen des Eltern-Kind-Passes angeboten werden. „Durch diese Leistungen stellen wir sicher, dass Schwangere, Mütter und ihre Kinder medizinisch gut versorgt sind, sei es im Rahmen von Telefonberatungen, gesundheitlicher Vorsorge oder der Frühkontrolle“, ergänzt die Vorsitzende. Weitere gesundheitspolitisch bedeutende Maßnahmen für Frauen sind das Brustkrebs-Früherkennungsprogramm sowie die erst kürzlich ins Leben gerufene kostenlose Bereitstellung der HPV-Impfung für Frauen unter 30 Jahren bis Ende 2025 gemeinsam mit Bund und Bundesländern. (red)