Corona-Rückblick bringt Fokus auf Langfristfolgen

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Fünf Jahr nach Beginn der Pandemie wächst unter Fachleuten die Sorge um Gesundheitsfolgewirkungen und die Vorbereitung auf künftige Pandemien.

Beim Blick auf die Covid-19-Pandemie dominieren für die Epidemiologin Eva Schernhammer und den Virologen Andreas Bergthaler nun Fragen nach langfristigen gesundheitlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen. Neben Long Covid diskutiere man auch einen „möglichen Anstieg neuer kardiovaskulärer Erkrankungen“ lange nach Covid-Infektionen, sagt Schernhammer. Für Bergthaler wurde die „ungeheure gesellschaftliche Dynamik und Wucht“ der Ereignisse „wohl vielfach unterschätzt“. Gegenüber der APA machten sich beide Wissenschafter:innen am Wochenende Gedanken darüber, wie es um die Vorbereitung auf eine etwaige nächste Pandemie bestellt ist, und wie sich die gesellschaftlichen Spannungs- und Bruchstellen glätten lassen.

Für Schernhammer tun sich viele Fragen im Zusammenhang mit Wissenschaftsskepsis, Des- und Fehlinformationen und rund um den Gemeinschaftssinn und Zusammenhalt in der Bevölkerung auf: „Für eine effektivere Aufarbeitung fehlt meines Erachtens aber auch noch der Konsens in der Gesellschaft, dass es keine kontrafaktische Welt gibt und dass wir deshalb im Nachhinein manches anders machen würden als in Echtzeit, ohne daraus Schuldzuweisungen abzulesen“, so die Leiterin der Abteilung für Epidemiologie der Medizinischen Universität (MedUni) Wien.

Erste gute Ansätze für eine möglichst nüchterne Aufarbeitung habe es seitens der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und anderer wissenschaftlicher Akteure gegeben, erklärten beide Expert:innen. „Darin wurden einige wichtige Punkte hervorgehoben, wie zum Beispiel die Impfpflicht als Scheideweg“, erklärte Schernhammer, die die Ansicht teilt, dass hier „eine politische Entscheidung getroffen wurde, für die es keine gute wissenschaftliche Grundlage gab“. Für Bergthaler ist insgesamt „augenscheinlich, dass die Parteipolitik unterschiedlicher Couleur das Thema instrumentalisiert und eine unvoreingenommene sachliche Aufarbeitung inklusive der zeitnahen Umsetzung der daraus resultierenden Lehren – Beispiel neues, noch fehlendes Epidemiegesetz – nicht gerade erleichtert hat“.

Klar sei, dass sich Wissenschafter:innen auf die Bekämpfung zukünftiger Pandemien gut vorbereiten müssten – auch dahingehend, wie man in dem Zusammenhang „niederschwellig und zielgruppengerecht“ kommunizieren kann. Denn: Dem Zwischenspiel von Wissen und Macht könne man sich auch mit noch so großer Sorgfalt und nüchterner faktenbasierten Vorgehensweise nur schwer entziehen, betonte der an der MedUni Wien und am Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM) der ÖAW tätige Bergthaler. Die Pandemie habe aber auch deutlich ersichtlich gemacht, was Wissenschaft in sehr kurzer Zeit zu leisten vermag – Stichwort: Impfstoffentwicklung, verschiedenste neue Testverfahren, systematische breite Genomsequenzierungen oder zahlreiche Fortschritte bei epidemiologischen Modellrechnungen. Was aber auch bleibe, ist die oftmals von Experten zahlreicher Fachrichtungen bemängelte österreichische Problematik bei der Erhebung und Verfügbarkeit von medizinischen Daten. Das bescherte dem Land u.a. ein langes Rätselraten, wie viele Intensivbetten es überhaupt gibt, und wo die Belastungsgrenzen des Gesundheitssystems liegen. Nicht umsonst bemängelten viele Expert:innen einen unnötigen Blindflug” Vielfach war man letztlich stark von Informationen aus Großbritannien, den USA oder Israel abhängig. (red/APA)