Eine Umfrage unter Gynäkolog:innen zeigt einen klaren Trend: Nur noch wenige wollen in Vollzeit arbeiten. Der Bedarf an flexiblen Arbeitsbedingungen wächst.
Eine kürzlich veröffentlichte Umfrage unter 1.364 Gynäkolog:innen und Geburtshelfer:innen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz zeigt einen signifikanten Wandel in den beruflichen Vorstellungen der Ärzt:innen. Nur noch 12,5 Prozent der Befragten streben eine Vollzeitbeschäftigung an, obwohl 63 Prozent der Ärzt:innen in der Facharztausbildung noch in Vollzeit arbeiten. Besonders der Wunsch nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird deutlich: 76 Prozent der Befragten halten eine arbeitsplatznahe Kinderbetreuung für einen wichtigen Faktor bei der Arbeitgeber:innenwahl.
Die Umfrage, die zwischen Oktober 2023 und Mai 2024 durchgeführt wurde, zeigt auch geschlechtsspezifische Unterschiede in den Karrierevorstellungen: Männer streben signifikant häufiger eine Chefarztposition an als Frauen (26,5 Prozent gegenüber 3,6 Prozent). Ein weiteres zentrales Ergebnis ist, dass 65,4 Prozent der Teilnehmer:innen angaben, ihre Arbeitsstelle biete keine flexiblen Kinderbetreuungsangebote, obwohl viele diese als entscheidend für die Berufsentscheidung betrachten. In der Studie wird auch auf die unflexiblen Arbeitsbedingungen in vielen Krankenhäusern hingewiesen. Insbesondere junge Gynäkolog:innen in Ausbildung berichten von unzureichenden Diensten und Arbeitszeiten, was die Entscheidung für eine Spitalskarriere erschwert. 16 Prozent der Befragten, besonders Frauen, gaben an, dass sie sich aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt fühlten, während der Großteil die Flexibilität der Arbeitszeiten als ein Hauptkriterium für ihre berufliche Zukunft nennt.
Die Autor:innen der Studie, darunter Philipp Fössleitner von der Klinischen Abteilung für Geburtshilfe und feto-maternale Medizin des AKH Wien, ziehen das Fazit, dass sich die Arbeitsumgebungen in der Gynäkologie und Geburtshilfe in Österreich, Deutschland und der Schweiz an den veränderten Bedürfnissen der Ärzt:innen orientieren müssen. Besonders in einer Zeit, in der Gleichberechtigung und Individualität an Bedeutung gewinnen, seien Anpassungen in der Arbeitsgestaltung unerlässlich, um die Fachkräfte zu halten und die Qualität der Versorgung zu sichern. Von den Teilnehmer:innen stammten 75,3 Prozent aus Deutschland, 12,9 Prozent aus Österreich und 11,8 Prozent aus der Schweiz. In dem Sample der Umfrage waren Ärzt:innen in Ausbildung für Gynäkologie und Geburtshilfe am stärksten vertreten: In Deutschland mit 60 Prozent, in Österreich mit 50 Prozent und in der Schweiz mit 40 Prozent. (red/APA)
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